Handballer helfen der kleinen Kämpferin

  19.12.2022 •     TSV Schmiden Handball Männer Männer 1 Frauen
Fenja wohnt im dritten Stock. Weil die Eltern das behinderte Kind fast nicht mehr tragen können, sammeln sie auf verschiedene Weise Spenden für einen Aufzug.

Der Blick ins Internet macht Stefanie und Olaf Kirstein fast jeden Tag aufs Neue sprachlos. Wenn sie die Seite der digitalen Spendenplattform „GoFundMe“aufrufen, können sie kaum glauben, wie viel Hilfsbereitschaft ihnen – und vor allem ihrer Tochter Fenja – entgegenschlägt. Das vierjährige Mädchen ist schwerstmehrfachbehindert. Eine genetisch bedingte Erkrankung, das Aicardi-Syndrom, bewirkt, dass sie wohl nie stehen, laufen, eigenständig sitzen, sprechen oder lachen können wird.

Weil die Eltern sie kaum noch in die Wohnung im dritten Stock tragen können, sammeln sie Spenden für einen Aufzug. Ein großes Benefiz-Handballspiel soll nun weiteres Geld für die dringend benötigten Umbaumaßnahmen einspielen. Am Mittwoch, 21. Dezember, ist es so weit. Dann spielen die Schmidener Pumas gegen das Team Fenja. In diesem treten unter anderem Ex-Nationalspieler wie Markus Baur, Chrischa Hannawald und Timo Salzer an. Als weiteres Highlight stößt dann noch der deutsche Behindertensportler und Paralympics-Sieger Niko Kappel dazu. „Die Veranstaltung ist der Hammer. Es ist so toll, was da alles für Fenja stattfindet“, sagt Olaf Kirstein.

Wie bei vielen der Spendenaktionen, die den dringend benötigten Aufzug finanzieren sollen, wurde auch diese Veranstaltung durch ein gutes Netzwerk Wirklichkeit. „Bei der Tochter der Nachbarin von meiner Schwiegermutter spielt der Mann Handball. Dadurch haben weitere Handballer von der Spendenaktion erfahren, und schon war das Benefizspiel beschlossene Sache“, erklärt Olaf Kirstein. Aber nicht nur die großen Spendenveranstaltungen – es gab auch eine erfolgreiche Tattoo-Aktion sowie Basare und Kuchenverkauf – beeindrucken die Familie aus Fellbach. „Es rückt mein Bild von einer Gesellschaft, in der alle nur nach sich schauen, wieder gerade. Jeder will Fenja helfen, oftmals ohne sie überhaupt zu kennen.“

Die letzten Wochen konnte das tapfere Mädchen auch nicht wirklich unter Leute gehen und sich zeigen. Denn Fenja hatte eine große Hüft-OP. Weil die deutlich länger ging als geplant und es auch Komplikationen gab, musste die Vierjährige mal wieder zeigen, dass sie eine richtige Kämpferin ist. „Sie musste für sechs Wochen einen Gips tragen. Dadurch war sie noch weniger transportfähig. Also haben wir uns auf sie konzentriert und blieben daheim“, sagt Stefanie Kirstein.

Mittlerweile sind rund 90 000 Euro an Spenden zusammengekommen. „Der Knaller war auch die Berufsfeuerwehr Stuttgart. Die haben bei einer Aktion mitgemacht, bei der sich die Männer einen Monat einen Schnurrbart wachsen lassen und in der Zeit Spenden sammeln. Sie haben für uns 12 000 Euro gegeben.“ Die 8000 Euro, die noch für den Aufzug fehlen, sind nun also – besonders im Hinblick auf das Handballspiel – in greifbarer Nähe. Zudem findet am 22. Dezember ein Konzert der Band Liebes Leben statt.

Vom Aufzughersteller hat die Familie nun schon ein Angebot erhalten. Jetzt sind noch Gespräche mit dem Stahlbauer geplant, da vom Aufzug zum Balkon ein Steg nötig ist. Im neuen Jahr kann das Bauvorhaben dann gestartet werden. Und Fenja muss endlich nicht mehr die Treppe hochgetragen werden – was weder ihr noch ihren Eltern guttut. Denn auch wenn sie vieles nicht so kann wie andere, sie kann zeigen, ob ihr etwas gefällt. Deshalb wird Fenja – falls sie an dem Tag fit genug ist – vielleicht auch einen Teil des Handballspiels mitleuchtenden Augen verfolgen und sich darüber freuen.

Das Benefiz-Handballspiel findet statt am Mittwoch, 21. Dezember, in der Sporthalle beim Schulzentrum in Schmiden. Hallenöffnung ist um 18.30, Anwurf um 19.30Uhr. Es gibt Essen, Getränke, eine Tombola und Autogrammstunde. Eintritt 10 Euro. Unter: https://eticket.dym-tech.de können Tickets gekauft werden. Weitere Infos gibt es unter benefizspiel-fenja(@)web.de.

erstellt von Simone Käser von der Fellbacher Zeitung