Einer, der den Teamgedanken vorlebt

  20.01.2023 •     TSV Schmiden Handball Frauen Frauen 1
Die Handballerinnen des HC Schmiden/Oeffingen starten an diesem Samstag als Spitzenreiterin die Rückrunde der Württemberg-Liga. Maßgeblich am bisherigen Erfolg beteiligt ist auch Steffen Irmer-Giffoni, der das Traineramt zu Saisonbeginn übernommen hat.

Sie haben eine fast perfekte Hinrunde gespielt. Lediglich beim 22:22 Anfang Dezember 2022 im Auswärtsspiel bei der SG Hofen/Hüttlingen mussten die Handballerinnen des HC Schmiden/Oeffingen einen Punkt lassen. Vor dem Rückrundenstart an diesem Samstag (20 Uhr, Pichterichhalle) bei der Bundesliga-Reserve der Sport-Union Neckarsulm scheint der Sprung in die Baden-Württemberg-Oberliga (BWOL) durchaus möglich zu sein. Bei zwei Aufsteigern hat der aktuelle Spitzenreiter sechs Punkte Vorsprung auf den drittplatzierten TV Flein. „Wir haben die bisherigen Spiele auf konstant hohem Niveau gespielt. Daran gilt es jetzt anzuknüpfen“, sagt Steffen Irmer-Giffoni. Außerdem sei das Team in den ersten zehn Spielen von gravierenden Ausfällen verschont geblieben.

Der 49-Jährige, der zu Saisonbeginn das Traineramt von Thomas Rost übernommen hatte, hat freilich maßgeblichen Anteil am Erfolg des Teams. Nicht nur, dass die Chemie zwischen den Spielerinnen und ihm von Anfang an gepasst habe, der B-Lizenz-Inhaber hat auch die Trainingsintensität erhöht, die ein oder andere positionsspezifische Änderung vorgenommen und auch sonst an den richtigen Stellschrauben gedreht.

Überdies kann er sich nach wie vor auf die Mitarbeit von seinem Vorgänger verlassen. Thomas Rost ist zweimal in der Woche im Training dabei und kümmert sich vor allem um die Torfrauen. Ein Training, das sich bisher ausgezahlt hat. Michelle Hoffrichter und Sonja Pott hätten extrem viel gehalten, sagt Steffen Irmer-Giffoni. Außerdem bereitet Thomas Rost die Videoanalysen vor, die fester Bestandteil der Vor- und Nachbereitung der Spiele sind. „Wir sind ein gutes Team. Es ist gut, ihn dabeizuhaben“, sagt Steffen Irmer-Giffoni, der mit seiner Frau Tania, 39, und den beiden Kindern Stefania, 10, und Giuseppe,7, in Schorndorf wohnt.

Seine Trainerlaufbahn hat der 49-Jährige, der als Einkäufer bei einer Maschinenbaufirma in Plüderhausen arbeitet, Ende der 1990-er Jahre als Coach der weiblichen A-Jugend der SG Schorndorf begonnen. In Schorndorf hat er auch bis zu seinem 27. Lebensjahr Handball gespielt – meistens in der zweiten Mannschaft als Linksaußen oder Kreisläufer. Vor seinem Wechsel zum HC war er eine Saison beim TV Altenstadt (Bezirksliga), davor unter anderem sechs Jahre bei den Frauen der HSG Deizisau/Denkendorf, mit denen er von der Landesliga in die Württemberg-Liga aufgestiegen ist – außer der Teilnahme mit den A-Jugend-Mädchen der SG Schorndorf an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft 2012 einer seiner größten Erfolge. 2020 wurde er zudem zum Handball-Trainer des Jahres in der Esslinger Zeitung gewählt.

Steffen Irmer-Giffoni ist ein akribischer Arbeiter. Rund 15 Stunden in der Woche investiert er in seine Trainertätigkeit. In den Übungseinheiten legt er großen Wert auf Grundlagen- und Techniktraining. „Frauen müssen technisch versiert sein, weil sie im Gegensatz zu den Männern nicht so viel über die Athletik machen können“, sagt der Coach, der die Spielerinnen auch oft in sein Tun einbezieht – wie dienstags bei der Nachbetrachtung des Spiels vom Wochenende. „Ich finde sehr wichtig, dass sich jede einbringt“, sagt der Coach, der als guter Motivator bekannt ist, als einer, der den Teamgedanken vorlebt und der ein gutes Gespür für die Stimmungslage innerhalb des Teams hat.

Wichtig ist ihm auch die Einbindung der A-Jugendlichen und der Spielerinnen der zweiten Formation (Spitzenreiter in der Bezirksliga). Er wolle die jungen Spielerinnen individuell weiterbringen. Im Juni steht deshalb auch die Ausbildung zum Nachwuchstrainer Leistungssport des Deutschen Handballbundes im Terminkalender. „Man muss das Große Ganze sehen. Ich glaube, dass beim HC

viel Potenzial da ist“, sagt Steffen Irmer-Giffoni, der während einer Partie ein Schweißband am Handgelenk trägt. Unter diesem klebt ein Tapestreifen mit wichtigen Infos zum Spiel. „Ich finde es besser, wenn ich das immer wieder nachlesen kann“, sagt er.

Für die kommende Saison hat er sein Engagement bereits verlängert, auch der Stamm des Teams bleibt. Weitere Gespräche werden in diesen Wochen geführt. Potenzielle Zugänge waren im Probetraining, weitere werden folgen. Eine fixe Verpflichtung gebe es noch nicht. Dass Steffen Irmer-Giffoni Lust auf die BWOL hat, daraus macht er kein Geheimnis. Doch noch muss erst die Rückrunde in der Württemberg-Liga erfolgreich gespielt werden. Die Partie in Neckarsulm macht den Anfang.

erstellt von Susanne Degel von der Fellbacher Zeitung